Dass Musik
Emotionen hervorruft und die Menschen bewegt ist nichts Neues – der
umgekehrte Weg hingegen schon: Australische Wissenschaftler wandeln die elektronischen Impulse der Nerven, ausgelöst durch
Empfindungen, in eine Art „Symphonie der Gefühle“ um. Neben der Faszination für Technik verfolgen die Forscher auch das Ziel, mit dieser Methode
autistischen Persönlichkeiten eine Ausdruckshilfe zu verschaffen.

Mithilfe von Geräten aus dem Bereich der „
Gefühlsinformatik“, also Maschinen, die emotionale Regungen erkennen und auf eine gewisse Weise transkribieren, findet die Ausführung dieses Versuches statt. Die Gefühle „liefern“ in diesem Fall gewissermaßen Schauspieler, die auf Kommando Emotionen zeigen können. Angeschlossen an viele
Gerätschaften werden so die Signale, die das Hirn des Probanden aussendet, übertragen, aufgezeichnet und die elektrischen Impulse in ein
Rauschen der Lautsprecher übertragen und die Regsamkeit von Blutdruck, Puls und Atmung registriert. Damit aus dieser
Dokumentation Klänge entstehen bedarf es Musikern, die das ausgegebene Knacken in Töne umwandeln oder einer bestimmten Software, die die Aufnahmen
konvertiert.
Die amerikanische Komponistin
Erin Gee beteiligt sich ebenfalls an der Forschung und kommentiert prägnant die Versuche mit einer Testperson: "Man kann nicht in den Gedanken von Ben lesen und sagen, warum er etwas fühlt", so Gee, "aber jetzt gibt es technische Mittel, um zu zeigen, dass er Gefühle hat und die Dichte dieser Gefühle zu messen". Die Musikerin hat vor, die gesammelten Informationen und „Emotionsdaten“ zu einem musikalischen Stück umzuwandeln, der „Gefühlssymphonie“. Erstmals wird die „
Gefühlssymphonie“ im nächsten Jahr im kanadischen Montréal aufgeführt
Dieses Konzept bietet auch die Möglichkeit, die inneren
Regungen durch deren intensiviertes Abbild in Form von Musik besser zu verstehen. Ebenfalls kann durch diese Methode nun auch gezeigt werden, dass
Autisten, die nach außen hin emotionslos scheinen, wie jeder andere Mensch auch Gefühle haben; eine spannende Idee hilft damit nicht nur, den Klang der eigenen Emotionen hören zu können und diese zu erleben, sondern auch die unserer
Mitmenschen erleben zu können. Man darf gespannt sein, wie sich die Experimente der australischen Forscher entwickeln und vor allem, wie uns das wertvolle
Medium Musik weiterhin bewegt und überrascht.
